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Schleppjagdverein von Bayern e.V.
gegründet 1986

Die Meute aus dem "Wittelsbacher Land"
Schirmherr: SKH Prinz Ludwig von Bayern

  Wien/Freudenau

  

 

Der SvB in Wien 2007 – Jagen und Rennen in der Freudenau

 

Anreise

Zum dritten Mal in Folge war der SvB wieder in Österreich zur Kaiserjagd in Wien Freudenau. Mittlerweile ist die schwere Jagd am Anfang der Saison schon eine Institution. Diesmal war es ein ganz besonderes Ereignis, da erstmals seit Untergang der Monarchie 1918 auf dem historischen Boden der Wiener Freudenau wieder ein zweitägiges Renn-Meeting stattfand. Die alte Tradition des Rennens wurde mit der alten Tradition des Jagdreitens kombiniert und so starteten beim 1. Internationalen Rennwochenende auch die roten und blauen Röcke aus dem Wittelsbacher Land.

 

Der Master of Hounds und Präsident des SvB, Toni Wiedemann, reiste mit seiner Equipage, Sissi Wiedemann, Birgit Queissner, Dr. Rainer Grassler, Dr. Cristina Lenz und Andreas Kulle sowie 17 Koppeln, also 34 Foxhounds, an. Es regnete nicht nur überall, sondern es schüttete was der Himmel hergab. Man witzelte untereinander, dass man doch dummerweise die Schwimm­flügel und die Wasserski vergessen hätte. Nach sieben Stunden Fahrt waren alle froh aussteigen zu können. Alles war – wie auch schon die letzten beiden Jahre – bestens vorbereitet. Die Boxen für die Pferde waren dick eingestreut, Heu und Stroh lagen bereit und die Pferde fühlten sich auch gleich heimisch. Während sie ihre Nasen in die Futtertröge steckten ging die Equipage zum Lösen der Hunde. Wer keine Gummistiefel dabei hatte, hatte tatsächlich keine Chance bei dem durch den Dauerregen aufgeweichten Boden.

 

Die Hunde waren so voller Vorfreude, dass sie gleich jede Fährte aufnehmen wollten. Nach einem langen Auslauf auf der großen Wiese hinter der Kaiserloge ließen sie sich wieder gehorsam zusammenstellen und verladen. Dann kamen die Reiter an die Reihe. Der Bundes­referent für Jagdreiten Kommerzialrat Karl Andre hatte – auch mittlerweile eine geschätzte Tradition – im berühmten Schweizerhaus im Wiener Prater re­ser­viert. Es gab ein großes Hallo beim Wiedersehen mit den österreichischen Jagdkameraden und Jagdkameradinnen.

Bei diversen Budweisern und den reschen Stelzen tauschten man alte und neue Geschichten aus. Extra mit aus Bayern waren angereist Norbert Steinbeißer, Richi Kirmayr, Oliver Weiß, Jürgen Kröll, Josef Ettenhuber und Dr. Claus von Reinhardstoettner aus der Oberpfalz.

 

 

Samstag

Erste Pflicht des Tages für einen Pikör ist nach dem Füttern der Pferde die Hunde­arbeit. Dazu gehört neben dem Lösen lassen das Füttern und der Auslauf. So ein mehr­tägiger Aufenthalt kann gerade für die jungen Hunde durchaus anstrengend sein. Master of Hounds Toni Wiedemann und seine Equipage nutzten das ver­längerte Wochenende aber dazu den guten Appell der Meute noch zu verfeinern. Besonders die Rüden des W-Wurfs von den beiden Champions Taxis und Queppt nämlich Wulf, Wastl, Wodka, Willi und Whisky, die auf der diesjährigen Hundeschau den Preis als bester Wurf erhielten, bestanden ihre Feuertaufe mit Bravour.

 

Während die Equipage noch mit der Hundearbeit zu Fuß beschäftigt war, übte das Jagdfeld bereits die schon freigegebenen Hindernisse. Ganz renn­bahn­gemäß erwarteten die Jagdreiter insgesamt 29 Hindernisse mit einer Höhe bis zu 1,30 m und eine Tiefe bis zu 2,40 m. Darunter waren viele Bürstensprünge und Hecken, bei denen die Pferde durchstreifen konnten. Gleichzeitig war die Auf­merk­sam­keit von Pferd und Reiter gefordert, da sich diese Sprünge immer wieder mit in die Weite gebauten Baum­sprüngen abwechselten oder die Hecken mit Baumstämmen kombiniert waren, so dass die Pferde sie als feste Hürde erkennen und überspringen mussten.

 

Die absolute Besonderheit auf der Rennbahn Wien Freudenau ist der Golfplatz, der in der Mitte des Rennbahnovals liegt. Ein Traum für jeden Jagdreiter über das gepflegte Fairway galoppieren zu dürfen.

Selbst das sogenannte „rough“, das hohe Gras, ähnelt mehr einen privaten Rasen, denn einer urwüchsigen Grünflache. Die einzigen Flächen, die absolut tabu waren und auch immer sein werden, sind die „Greens“, das ganz helle, kurze, geradezu teppichmäßige Gras, bei dem der Golfball dann in das mit einer Fahne markierte Loch „geputtet“ wird.

 

Der Wettergott hatte ein Einsehen und drehte die Schleusen im Laufe des Vormittags zu. So konnte von oben zwar trocken, musste aber von unten immer noch nass geritten werden. Gut wer ein Pferd mit Unterbodenschutz hatte. Die Sandbahn, die außen um den Golfplatz und innen in der Rennbahn als Oval parallel zu den Grasrennbahnen verläuft, war durch den heftigen Regen eher eine Schlamm­bahn, so dass konzentriertes Reiten gefordert war, da hier beim Über­queren zu den nächsten Hindernissen immer zum Schritt durchpariert werden mus­ste.

 

Ein Highlight der Tage in Wien Freudenau war das Gala Diner am Samstagabend. Familie Habel hatte extra ein vom Boden her befestigtes und beheiztes VIP-Zelt aufstellen lassen, zu dem – wie bei der Oskar Verleihung – ein roter Teppich führte. Im Vorzelt konnte man die Garderobe abgeben, dann wurde man herzlich mit Sekt begrüßt und konnte im nächsten Zelt ganz relaxed an Bistrotischen im Nespresso-Ambiente der Band lauschen und sich unterhalten. Dann wurde zu Tisch ins nächste Zelt gebeten. Alles war sehr stilvoll in weiß eingedeckt; selbst die Kronleuchter waren weiß. Das Buffet war einer Augenweide und eine wahre Freude für den Gaumen. Der Cateringservice bediente zuvorkommend und unaufdringlich. Erst zu später Stunde zogen einige der geladen 200 Gäste wieder zu den Bistrotischen in das Vorzelt, um noch einen der leckeren Cocktails zu genießen. Mit Fackellicht flankiert wanderten die letzten Gäste dann wieder über den roten Teppich zu den Parkplätzen.

 

 

 

Sonntag

Der Rennbahnchef Karl Friedrich Habel hatte drei besonders schöne Strecken mit mächtigen Hindernissen vorbereitet. Die Strecken waren etwas doppelt so lang, wie die runs sonst bei einer Jagd sind. Bei der Streckenbegehung von Master, Schleppenlegerin Sissi Wiedemann und der Equipage regnete es noch heftig. Zum Stell­dichein wurde es wieder trocken, so dass die roten und blauen Röcke dem Empfang in der Kaiserloge mit Blick auf die Rennbahn und die Jagdstrecke in vollen Zü­gen genießen konnten. Aus wetterbedingten Gründen kündigte Haus- und Jagdherr Habel verschiedene Veränderungen an.

Eine bedauerliche war sein Nicht-mitreiten-Können, die anderen Änderungen bezogen sich auf die Streckenführung. Er wies noch einmal darauf hin, dass sich alle beim zweite run, der über den Golfplatz führte, an die Markierungen halten sollten, denn jeder Huftritt außerhalb der ausgepflockten Strecke würde ihm sonst von den Golfern mit 25,00 € in Rechnung gestellt werden. Außerdem würde trotz der Jagd weiter Golf gespielt werden, so dass auch hierauf besonders zu achten sei.

 

Den besonderen Tag kündigten die Signale der Chiemgauer Jagdhornbläser an. Nach den Begrüßungsworten des Hausherrn Karl Friedrich Habel und des Bundes­referenten für Jagdreiten KR Karl Andre, begrüßte der Master of Hounds und Präsident des SvB, Toni Wiedemann, das Jagdfeld und die Zuschauer.

Mit dem Jagdruf, dem dreifachen Horrido und „Die Hunde voran, packen wir´s an, Bayern Pack ran!“ ging es auf die Strecke. Während des Jagdgeschehens, das wohl nirgendwo so gut und bequem zu beobachten ist wie von der Kaiserloge oder den Tribünen der Rennbahn Wien Freudenau aus, informierte der Kommentator das Publikum über alles, was beim Jagdreiten wichtig ist.

 

Master Toni Wiedemann präsentierte seine Meute aus dem Wittelsbacher Land, wie immer, in Bestform. Kenner sehen das unter anderem an der Geschlossenheit und Präzision, mit der das Pack lief. Die Spur für die 34 Foxhounds legten die Frau des Masters, Sissi Wiedemann zusammen mit dem österreichischem Jagdkameraden Stefan Sadil. Am Ende jedes runs konnten sich die Hunde an einer großen Wasserstelle erfrischen. Dort war auch Wasser für die Reiter vorbereitet. Bedingt durch einen Sturz und der Anfahrt des Sanitätsfahrzeugs sowie der Rennen, die zwischen den runs geplant waren, lag eine knappe Stunde zwischen der ersten und der zweiten Schleppe. Ohne die unglaubliche Disziplin der gut trainierten Meute wäre das Halten der Spannung undenkbar gewesen.

 

Der letzte run, der gleich nach der zweiten Schleppe begann, führte außen um die Galoppbahn herum und endete vor der Kaiserloge, wo die Zuschauer begeistert applaudierten. Traditions­gemäß wurde die Meute für ihren Jagdeinsatz mit dem Cureé belohnt. Die Reiter erhielten von den Jagdherren Karl Friedrich Habel und seiner Frau Mia den Bruch aus Eichenlaub, den eine Schleife mit Jagdmotiven und eine Plakette der Rennbahn Wien Freudenau zierte, und den beliebten Jagdknopf des SvB vom Master of Hounds Toni Wiedemann.

 

Nach dem Versorgen der Pferde und der Hunde trafen sich die Teilnehmer im Rennbahncafe auf der obersten Tribüne zu einem zünftigen Jagdessen. Wer schon die ersten beiden Jagden mitgeritten war, konnte sich auf einem der schönen Fotos wiederfinden, derentwegen diese Räumlichkeiten auch Jagdstüberl heißen. Von dort konnte man windgeschützt den Blick genießen, den die Zuschauer schon während des Jagdgeschehens hatten. Diesen Blick sowie viele weitere schöne Blicke hatte auch das Kamerateam, das für die Sendung „Universum“ Aufnahmen gemacht hat. Die Ausstrahlung ist für 2008 geplant. Der SvB wird alle Interessierten gerne infor­mieren.

 

Josef Hrtlitschka